Den Startort für das Kennenlernen von Ostfriesland verdanken wir neben dem Reiseführer vor allem einem Film und unseren Lachmuskeln. Dank seiner Rolle als Wohnzimmer kennt den rot-gelb geringelten Leuchtturm von Pilsum, in der Nähe von Greetsiel, fast jeder. Seitdem hat der Turm einen hohen Bekanntheitsgrad und steht als eines der Wahrzeichen Ostfrieslands.
Nach dem ersten Eindruck: „Sieht aus wie im Film!“ stehen wir auf dem Deich und sehen die Nordsee bzw. eben nicht. Beim ersten Mal ist der Gezeitenwechsel irritierend. Man glaubt fast nicht was man sieht obwohl man weiß, dass bei Ebbe nun mal das Wasser nicht vorhanden ist. Kinder fragen in diesem Moment ihren Eltern Löcher in den Bauch. Wehe es klappt dann nicht mit der Erklärung der Gravitation des Mondes und der Sonne und so. Gut kommt für den Nachwuchs auch der Hinweis, dass die Gezeiten in Ostfriesland auf niederdeutsch „Tide“ heißen.
Als wir nach unten zum Ufer gehen umfängt uns eine Stille, die wir nur aus dem hochalpinen Raum kennen. Keine Brandung, keine Möwen, keinerlei Geräusche. Wir brauchen eine Weile, um uns das zu erklären und setzen uns fasziniert ins Gras. Angekommen in Ostfriesland.
Leuchttürme wiesen früher den Weg in den Hafen. Wir fahren daher vom Pilsumer Leuchtturm direkt in das Hafenstädtchen Greetsiel. Das Fischerdorf hat nicht nur einen über 600 Jahre alten Sielhafen, sondern auch die größte Krabbenkutterflotte in Ostfriesland. Grund genug dem Reiseführer zu folgen.
Die Zwillingsmühlen empfangen uns postkartentauglich vor strahlend blauem Himmel. Der Hafen mit seinen historischen Häusern kann allerdings nur zu Fuß erreicht werden. Einzigartig in Ostfriesland. Autos müssen auf dem Parkplatz am Ortsrand von Greetsiel bleiben. Umso wohltuender lässt es sich durch die Gassen mit den kleinen Läden schlendern.
In Greetsiel steuern 25 Kutter regelmäßig den durch die Schleuse Leysiel tiedeunabhängigen Hafen an. Meist führt dies zu einer gewissen Emsigkeit, die man entspannt auf den Stühlen vor den Cafes oder Restaurants beobachten kann. Letztere locken mit gut bürgerlicher Küche. Als besonders empfehlenswert fanden wir Matjes zum Beginn der Saison Mai / Juni und frische, nussig schmeckende Krabben.